Masters EM London 2016

LEN European Masters Championships LONDON 2016

Es war Ende Mai 2016, die Reise nach London stand an. Dort fanden vom 25. Bis 29. Mai im Aquatics Centre, immerhin das Olympiabecken von 2012, die LEN European Masters Championships 2016 statt. Diese sollten das Highlight dieses Jahres für uns neun Schwimmer des SC Poseidon Berlin e. V., aber auch für die anderen über 10.000 (!) Aktiven, werden. Und das waren sie definitiv auch.

Von uns starteten Anne, Astrid, Sondra und Petra bei den Frauen und Fabian, Pascal, Philip, Moritz und Uwe bei den Herren. Zum Anfeuern und Anpeitschen kam Pitti mit. Deike Homeyer von der SG Wiste war quasi ein weiteres Mitglied unseres Teams, da sie sich mit Pascal eine Unterkunft teilte und auch stets mit uns zusammen war.

Im Vorfeld gab es immer wieder Spekulationen und Befürchtungen, dass der gesamte Wettkampf in einem einzigen Chaos enden könne. So schlimm wurde es dann zwar nicht, aber die Veranstaltung war alles andere als ein normaler Wettkampf.

Die Hinreise war in kleinere Gruppen aufgeteilt. So waren wir also auch in verschiedenen Unterkünften und Stadtteilen untergebracht. Das Spektrum ging von Hostel über Hotel/Appartement bis hin zur eigenen Wohnung. Obwohl wir alle ziemlich zerstreut in der Stadt waren, war der Zusammenhalt innerhalb des Teams sehr gut. Durch eine eigene Whatsapp-Gruppe konnten wir uns jederzeit alle über alles informieren und austauschen (es gab kostenfreies WiFi in der Halle!). Allein der Chatverlauf wäre eine eigene Geschichte wert. Sogar Dagmar war dadurch quasi live dabei und konnte alles aus Berlin mitverfolgen.

Anne und Philip nahmen schon am Freitag, den 20. Mai, ihren Flieger und machten noch einen Städteurlaub davor. Moritz und ich waren arbeitsbedingt die letzten und kamen am Mittwoch erst an. Da war bereits Pascal schon geschwommen. Er war sehr zufrieden mit seiner Leistung an diesem ersten Wettkampftag. Dieser sollte auch noch sehr entspannend sein. Es waren nur lange Strecken (200m Lagen und 800m Freistil! dran und somit auch nicht ganz so viele Aktive. Wir alle waren begeistert und erleichtert. Einerseits von der schönen Halle, andererseits von der unerwarteten Ordnung dort. Zugleich herrschte auf den Zuschauerrängen eine friedliche und ausgelassene Stimmung. Leider war der Wettkampf auf zwei Hallen aufgeteilt, so dass Frauen und Männer gleichzeitig schwimmen konnten. Neben der großen Wettkampfhalle war ein eigentlich für Trainingszwecke genutztes Becken als zweites Wettkampfbecken umfunktioniert worden. Täglich wurde gewechselt, so dass Männer wie auch Frauen in beiden Becken geschwommen sind. Das hatte einen, aber entscheidenden Nachteil. Das zweite Becken hatte keine Zuschauerränge, man konnte nur aus der Ferne anfeuern und auch als Schwimmer war das Schwimmen dort ein wenig seltsam. Auf die Leistung wirkte sich das jedoch nicht aus.

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Doch das mit der Ordnung sollte sich mit dem folgenden Tag ändern. Es war ein Tag mit kürzeren Strecken. 200m Freistil, 50m Brust und 100m Schmetterling. Nichts war von Ordnung und entspannter Atmosphäre zu spüren. Der Eingangsbereich für die Aktiven war dermaßen überfüllt, dass die Organisatoren Absperrgitter so platzieren mussten, dass man sich in einer sehr langen Schlange anzustehen hatte. Das Wetter war sonnig und warm und wir mussten beim Warten auch aufpassen keinen Sonnenbrand zu bekommen. Wasser wurde verteilt und man kam mit anderen, wildfremden, Schwimmern aus allen Ländern Europas ins Gespräch. Man fühlte sich eher bei einem Konzert, wo man anstehen muss als viel mehr bei einem Wettkampf, an dem selbst Aktiver ist. Für die 50m Brust musste man ca. 2 Stunden anstehen. Das war alles dann so knapp, dass das Einschwimmen für einen wegfiel und man vollkommen planlos den Wettkampf geschwommen ist.

Nachdem der erste chaotische Tag vorbei war, folgte mit dem Freitag ein etwas besser organisierter Tag. Das Eingruppieren am Eingang verlief schon ein wenig effektiver. Vielleicht waren wir alle aber auch nun schon eingespielter und abgehärtet. Highlights an diesem Tage waren zum einen der Europameistertitel von Astrid über 50m Rücken einschließlich der gesamten Konfusion beim Zielanschlag von ihr und ihrer Konkurrentin. Es dauerte doch ziemlich lange, bis die Anzeigetafel Astrid zur Siegerin im Lauf und auch im gesamten Wettbewerb Disziplin kürte. Auch wir, die auf der Tribüne saßen und sie angefeuert hatten, waren uns nicht sicher, was da genau gelaufen ist. Erst die Sichtung des Livestreams Tage später sollte Aufklärung geben. Aber nun war und ist sie Europameisterin über 50m Rücken in ihrer Altersklasse. Herzlichen Glückwunsch! Ein weiteres Highlight waren abends dann die Staffeln über 4x50m Lagen Mix. Wir waren mit zwei Mannschaften dabei. In einer schier endlosen Anzahl von Menschen stand man vor und im Call room und wartete auf seinen Mannschaftsstart. Währenddessen war die Stimmung obwohl es schon recht spät war dort ausgelassen und feierlich. Es wurde gesungen und eine Party gegeben. Vor allem die Franzosen sangen gewohnt sicher und patriotisch ihre Marseillaise. Das war sehr beeindruckend. Die Staffeln wurden dann souverän mit tatkräftiger Unterstützung von Fabian und Pitti von der Tribüne aus geschwommen. Leider war es dann schon so spät, ca. 22Uhr, so dass wir unser Mannschaftsessen auf Sonntag verschieben mussten, da wir kein Restaurant mehr gefunden hatten.

Es folgte der Samstag, auch hier merkte man, dass die Organisatoren aus den Tagen vorher gelernt hatten. Noch flüssiger und unkomplizierter war der ganze Ablauf. Während manche schwammen oder anstanden, wurde The Shard in der Londoner Innenstadt erst von Fabian und dann später von Pitti und Petra erklommen. An diesem Tag wurden ebenfalls die 100m Freistil geschwommen. Bei den Frauen waren 137, bei den Männern sogar 199(!) Läufe. Hier war die Dimension der Teilnehmerzahlen am deutlichsten zu sehen. Abends stand dann wieder eine Staffel auf dem Programm, Anne, Astrid, Philip und Uwe schwammen die 4x50m Freistil-Mixstaffel. Wieder wurde es spät, dieses Mal sogar später als 23Uhr und wieder war die Stimmung prächtig.

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Der letzte Wettkampftag am Sonntag war der am besten organisierte Tag. Dazu muss aber erwähnt werden, dass nun auch schon weitaus weniger Aktive in der Halle und auf den Rängen waren bzw. man nur sehr kurz anzustehen hatte. Viele der Aktiven waren schon abgereist. Auf dem Programm standen nun 200m Brust, 50m Freistil, 100m Rücken und noch einmal eine Staffel, die 4x50m Lagen. Ein wirklich großer Moment war es, als die gesamte Halle den ältesten Teilnehmer bei 50m Freistil anfeuerte. Dieser Herr war 92 Jahre alt und schwamm die letzten Meter einarmig. Beim Anschlag bei 1:13:41 stand die gesamte Halle auf und er wurde von allen gefeiert. Das war ein echt toller Augenblick. Zum Abschluss des gesamten Wettkampfes schwammen abends noch die Herren und auch die Damen von uns die 4x50m Lagen Staffel. Uwe und Pitti wollten erst nicht zum Zuschauen kommen, da sie sich schon gemütlich in ihrer Wohnung einquartiert hatten. So zogen wir alle Register und haben per Whatsapp und einem schmollenden Gruppenbild von uns vier Männern den beiden ein schlechtes Gewissen gemacht. Somit kamen sie doch noch in die Halle und haben uns wie auch die Damen lautstark angefeuert.

Nach mehreren Gruppenbildern und kurzer Lagebesprechung ging es dann zum Mannschaftsessen. Es fiel die Wahl auf ein China-Restaurant in der Nähe der Schwimmhalle. In ausgelassener und fröhlicher Atmosphäre aßen wir zusammen und ließen die vergangenen Tage Revue passieren. Irgendwie wurde schon dort beschlossen, dass Fabian(ich) einen Bericht schreiben soll.

Der Montag war dann individuell geplant. Manche nahmen schon vormittags den Flieger nach Deutschland zurück. Anne, Philip, Moritz und Fabian flogen abends von Heathrow zusammen nach Berlin und hatten wetterbedingt dann leider doch eine beträchtliche Verspätung. Macht aber nichts, wir sind ja alle wieder gesund und munter zurückgekommen.IMG_4583

Wir alle waren und sind immer noch sehr zufrieden mit unseren Leistungen, auch wenn es größtenteils keine Bestzeiten waren. Aber wir haben alle für unser Trainingspensum einen sehr guten Wettkampf bestritten und noch dazu hat es sehr viel Spaß gemacht. Vor so einer Kulisse, unter solchen teils widrigen und kräftezehrenden Rahmenbedingungen muss man es erst einmal schaffen die Strecken, egal wie lang oder kurz diese sind, zu meistern. Das haben wir alle einzeln, aber vor allem auch als ein gemeinsames Team bravurös geschafft. Zu guter Letzt kann man auch noch festhalten, dass dieser Wettkampf einen jeden von uns sehr gut gelehrt hat, Geduld zu bewahren und uns zu besseren Wartenden geschult hat. Die gute alte britische Art, sich geordnet und vollkommen beschwerdefrei in eine Schlange zu stellen, um bisweilen ewig zu warten, beherrschen wir nun alle perfekt. Danke London!

von Fabian Rasch

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